Plastikante Erinnerungen

plastikant-by-howard-j.jpgMan hätte ganze Kathedralen bauen können
… mit genug Plastik in der Trommel

Es war einer dieser Büropläusche, der plötzlich ein Erinnerungsloch wieder anfüllte. Wir redeten über die heutigen Kinderspiele, die vorzugsweise vor der Flimmerkiste oder im Chat stattfinden und kramten in unserer Spielzeugkiste der 60er Jahre.

„Wie hieß das Zeugs noch mal mit den blauen Plastikröhrchen und den gelben Verbindungselementen?“

„PLASTIKANT“, kam es wie aus der Pistole geschossen.

„Gibt es das überhaupt noch?“

„Nein, das hatte gegen Lego keine Chance. Und wir hatten nicht genug Geld für Lego, deswegen hatten wir eimerweise Plastikant im Kinderzimmer.“

„Yep, so war das bei uns auch.“

Und dann googelten wir gemeinschaftlich nach unserem Kinderabenteuerland und wurden fündig! Es gibt sie noch, diese ganzen Plastikbauteile, ein Traum aus blau und gelb, mit roten Rädern und Gummireifen, mit Antriebsmotoren, Lenkachsen, Zahnrädern und Kupplungen.

Im großen Online-Trödelmarkt sind diese Dinge alle noch erhältlich, wenig Angebote zwar, aber immerhin. Irgendjemand hat da beim Eintritt ins Erwachsenenalter nicht alle Schätze aus der Kindheit entsorgt, sondern aufbewahrt. Vielleicht aus lauter Nostalgie. Oder um es den eigenen Kindern als Spielzeug zu bewahren. Gegen die Strömung von Playmobil und Legoland. Vielleicht ist auch der ein oder Andere dabei, der selbst noch damit Karussells und Bagger baut, alles ist möglich.

Ich erinnere mich daran, dass ich immer zu wenig rote Räder hatte. Oder zu wenig Gummireifen für eben diese Räder. Die waren ständig im großen Nirwana der Dash-Waschmitteltrommel verschwunden, die über lange Jahre meine Schatztruhe für noch zu erbauende Wunderdinge war.

Ich baute das Kettenkarussell nach, die Sitze waren aus den kleinen roten oder gelben Täfelchen stabil genug, um meine Puppen zu transportieren. Ich baute den Spielplatz hinter unserem Haus nach, wenn es mal wieder Bindfäden regnete und ich durch das Miesewetter meiner Fantasie überlassen wurde.

Manchmal war auch nicht zu erkennen, was meiner kleinen Bauherrenseele für eine Skulptur entwachsen war. Das war auch nicht wichtig, denn Hauptsache ich konnte das Raumschiff oder die Rakete erkennen, mit denen ich eines Tages die Barbiepuppen entsorgen würde.

Ein zerbrochenes Plastikteil kam einer Naturkatastrophe gleich und wurde mit so schönen Hilfsmitteln wie Tesafilm oder Heftpflaster wieder einsatzfähig geklebt. Und das gab den Bauwerken sogar das gewisse Extra, die ganz persönliche Note meiner Fantasie.

Bei meinen Surf-Ermittlungen fand ich eine interessante Seite, liebevoll zusammengestellt mit alten Bauplänen und hohem „Weißt-du-noch-Faktor“.

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Foto: © Howard J., mit freundlicher Genehmigung

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Wer sich für die Homepage aus dem Plastikant-Land interessiert:

www.a-arlt.de



Geburtsjahr: 1964

Aufgewachsen in: Düsseldorf

Bildquelle:

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3 Kommentare zu “Plastikante Erinnerungen”

  1. Micasa meint:

    Ich war ein Lego-Kind, aber Plastikant gab’s im Kindergarten. Immerhin. Und in die Dash-Waschtrommel kamen zu Hause die Federbälle, weil ich nämlich “Federballwart” für Haus Nr. 11, 13, 15 und 17 war.

  2. Der andere Nick meint:

    Schöne Erinnerung, Du!

    Der andere Nick, Fischertechnik-Fraktion, aber mit angeheiratetem Plastikant

  3. Herr Beil meint:

    Yep, schöne Erinnerung - und, ich war auch eher der Lego-Typ - und diese Fisher? Autorennbahnen, nicht Carrera - stundenlang zusammengebaut mit Loops und schnittigen Kurven - und dann rubbel die Pussy, wat’n Spaß damals…!

    Grüßkes! ;-)

Kommentar:

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