Klipp-Klapp

Kindergärtnerinnen, Verkäuferinnen, Friseusen, Arzthelferinnen und Krankenschwestern trugen sie. Aber auch Bademeister, Hausmeister, Lehrer oder Studenten. Auch auf jedem Schulhof und bei vielen zu Hause waren sie zu sehen. Die einen fanden sie hässlich und behaupteten, mit ihnen nicht laufen zu können. Die anderen dagegen fanden sie praktisch und bequem und waren
von ihrer gesundheitsfördernden Wirkung überzeugt.

Ihr eigentlicher Name war “Berkemann-Original-Gymnastiksandale” aber je nach Region hießen sie Holzklepper, Holzschlapfen oder Klapperlatschen. Es gab auch billigere Nachbauten, die aber nicht an das Original nicht herankamen und über die die Fans der Berkemänner” nur die Nase rümpften.

Sie waren äußerst robust und langlebig, nur die den Fuss überspannenden Lederriemen verschlissen und mussten öfter durch Ersatzriemen, die separat verkauft wurden, ersetzt werden. Auch für damalige Verhältnisse waren sie nicht billig und wurden in ausgewählten Schuhgeschäften, Sanitätshäusern oder Reformhäusern verkauft. In manchen Schulen wurden sie nicht gern gesehen, denn sie klapperten besonders auf harten Böden. Trotzdem wurden sie getragen!

Wenn man sie bekommen hatte, musste man anfangs ein wenig üben in ihnen zu laufen und die Füsse mussten sich an das hölzerne Fussbett gewöhnen. Dann konnte man mit ihnen fast alles machen, auch wenn man das am Anfang für völlig unmöglich gehalten hatte.

Die meisten trugen sie barfuss, denn so machten sie am meisten Spass. Auch wenn es schon etwas kühler war konnte man sie noch barfuss tragen, denn man hatte in ihnen fast nie kalte Füsse. Auch Feuchtigkeit machte ihnen nichts aus und im Sommer schwitzte man nicht.

In der Schule oder am Tisch konnte man mit ihnen spielen und überhaupt schlüpfte man öfter rein und raus. Sie wurden auch dazu verwendet Insekten totzuschlagen oder Reisszwecken in die Wand zu schlagen. Manchmal wurden Matheformeln oder Vokabeln auf das Holzfussbett geschrieben. Man musste dann nur mal kurz den Fuss zurückziehen und schon ging es weiter. Im Freibad konnte man sie auch als Ablage für die Brille verwenden.

Später mussten sie möglichst alt und abgetragen aussehen, dann passten sie richtig gut zu alten Jeans. Wer sie einmal hatte, trug sie meist viele Jahre und wollte gar keine anderen Schuhe für zu Hause haben. Später wurden sie von den aufkommenden Clogs zurückgedrängt und als Holzschuhe zeitweise ganz aus der Mode kamen verschwanden sie fast vollständig.

Eigentlich schade, weil man durch sie auch an seine Kindheit und Jugend erinnert wird.



Geburtsjahr: 1961

Aufgewachsen in: Hessen

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