Symbolische Ostereiersuche

Tom bezeichnet sich als das klassische Lehrerkind.

Stadtkind oder Landluft?
Das war wohl eher Landluft…

Wer und wie viele Personen lebten in eurem Haushalt?
Vater Mutter Tochter Sohn (ich). Also 4.

Erzähl uns von deiner/-m Lieblingsoma/-opa?
Das lief sozusagen über Kreuz: Mütterlicherseits war der Opa 1945 an Kriegsfolgen verstorben, also unbekannt, aber genau deshalb prägend. Die dazugehörige Oma war bis zu ihrem Tod 1989 (also als ich 12 war) “die Oma”, die auf uns Kinder aufpasste, brilliant kochte, immer irgendwas arbeitete und, vielleicht wegen ihrer frühen “Verwitwung”, in meiner Erinnerung immer irgendwie melancholisch war.
Auf der väterlichen Seite starb die Oma als ich 6 war und ist deshalb in der Erinnerung eher schwach. Der dazugehörige Opa war allerdings “der Opa”, der den Krieg überlebt hatte, Sonntags zum Essen kam und großartige Geschichten aus den zwanziger Jahren erzählen konnte. Er starb im Alter von 92 Jahren als ich 23 war, und irgendwie hatte ich einen, im wahrsten Sinne des Wortes alten, Freund verloren.

Welche Privatsphäre hattest du? Ein eigenes Zimmer?
Ich hatte ein eigenes Zimmer (wie meine Schwester auch - fair’s fair) - allerdings in einem vergleichsweise kleinen Fertighaus. Im Vergleich zu den Stein für Stein selbst gebauten Häusern in denen meine Kumpels aufwuchsen, kam mir das damals manchmal beengt vor - Privatsphäre war allerdings allemal gegeben.

Wann und wie wurde Hausputz gemacht?
Regelmäßig, ich glaube zweimal die Woche. Meine Eltern leisteten sich wegen beidseitiger Berufstätigkeit (damals, also in den frühen 80ern, nicht unbedingt Standard) eine Putzfrau, die den Job meines Wissens heute noch hat. Und zu Lebzeiten hat meine Oma drauf bestanden, mein Zimmer aufzuräumen. Ich war immer dagegen, sie hat fast immer gewonnen.

Wie wurden die Mahlzeiten eingenommen? Zusammen am großen Küchentisch?
Am großen Esstisch. Allerdings nur das Frühstück und das Mittagessen - meine Eltern sind Lehrer, also war die Hauptmahlzeit mittags und nicht abends.

Kochte deine Mutter schon elektrisch oder noch auf einem Kohleherd? Mikrowelle?
Meine Mutter kocht immer noch elektrisch, allerdings waren wir wohl die erste Familie in der Straße, die einen Mikrowellenherd ihr eigen nannte - 1983, nach einem USA-Aufenthalt meines Vaters. Der kochte übrigens auch ab und zu, bevorzugt sehr leckere Nudelsuppe in einem Schnellkochtopf - gibt es sowas heute noch?

Wann war Badetag?
Ich glaube (!), da gab es keinen festen Tag - gebadet, später geduscht, wurde, wenn es nötig war. Ich kann mich zumindest nicht an das offensichtlich sonstwo übliche Samstags-Drama erinnern.

Gab es noch “Sonntagskleider”? Was trugst du sonntags?
Saubere Sachen und vielleicht mal ein Hemd unterm Pullover….

Fuhrt ihr als Familie in den Sommerurlaub? Wohin?
Jawoll. Eine ganze Zeit lang (so ungefähr bis ich 12 oder 13 war) für drei Wochen nach Dänemark. Absolut großartige Urlaube, von vorne bis hinten prägend.

Gab es ein bestimmtes Ritual zu Weihnachten/Ostern?
Ostern Eiersuchen im Garten (es gibt noch lustige Fotos von meiner Schwester, aus der Zeit, als die Bäume und Büsche im Garten auch noch Kinder waren - das Suchen war damit eher symbolisch, aber der Wille zählt…). Weihnachten: Ein bestimmtes Weihnachtsessen an Heiligabend, nämlich Zungenpastete (was ich ansonsten noch von niemandem in diesem Zusammenhang gehört habe). Von dieser Tradition ist meine Mutter nur einmal abgewichen, als Mitte der neunziger Rinderwahnsinn “schwer in” war. Vom Essen abgesehen ist es auch heute noch Tradition, dass meine Schwester und ich, von Jahr zu Jahr abwechselnd, die Geschichte vom “armen Hirten” vorlesen, bevor es die Geschenke gibt.

Wie streng war dein Elternhaus?
Strenger als viele, weniger streng als genausoviele - im Wesentlichen wahrscheinlich guter Durchschnitt. Das jüngste Geschwisterkind zu sein hilft ab einem gewissen Alter, vor allem, wenn man sich mit der großen Schwester dauerhaft gut versteht…

Was durftest du dir niemals erlauben?
Rauchen. Betrunken nach Hause kommen war dagegen kein Problem.

Was war die schlimmste Strafe für dich?
Eigentlich gab es sowas nie, zumindest gab es nichts, was ich im Nachhinein als “schlimm” empfinde.

Und besonders gut erinnere ich mich an …
Mehrere riesige Bücherwände, gute Musik, langes-aufbleiben-dürfen, den Geruch einer frisch angezündeten Zigarette im Citröen 2CV bei offenem Fahrer-Fenster. Klassisches Lehrerkind ;-)



Geburtsjahr: 1977

Aufgewachsen in: Siersburg, Saarland

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